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Multiprofessionelle Ringvorlesung: Safety first: Gemeinsam handeln - Gewalt bekämpfen - Betroffene stärken

Uhr

 

Die seit Februar 2018 in Deutschland (als einfaches Recht) verbindlich geltende "Europaratskonvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt" (=Istanbul-Konvention) stellt in Art. 31 klar, dass in allen Entscheidungen zum Sorge- und Umgangsrecht die Sicherheit der von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder mit Vorrang berücksichtigt werden muss. In der Praxis der Familiengerichte aber konkurrieren die Paradigmata "Gewaltfreiheit in der Familie" und "Fortsetzung einer kooperativen Elternschaft nach Trennung" oft miteinander und erzeugen gerade im Rahmen von Sorge- und Umgangsrechtsverfahren erneute und bedrohliche Gefahrensituationen für die von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder.

 

Die Annahme, mit der räumlichen Trennung sei die Gewaltausübung der Partnerin, des Partners zwangsläufig zu Ende, ist nachweislich falsch. Die Zeit der Trennung ist statistisch gesehen die gefährlichste Zeit für die von häuslicher Gewalt betroffenen Personen. Dies nimmt die "Istanbul-Konvention" in den Blick, wenn sie in Art. 51 eine explizite und interinstitutionelle Gefährdungsanalyse und ein entsprechendes Gefahrenmanagement fordert. Die Praxen in Verwaltung, Justiz und Beratung müssen sich also umgehend damit befassen, vor Ort funktionierende interprofessionelle Mechanismen zur Gefährdungsabschätzung (risk assessment) und Gefahrenabwehr zu etablieren.

 

Zu Beginn des Jahres 2020 startet daher im Amtsgerichtsbezirk München die Pilotphase zur Erprobung und Implementierung eines Fragebogens als Instrument zur Dokumentation und zur Gefährlichkeitseinschätzung gemäß Sonderleitfaden/ Münchener Modell in kindschaftsrechtlichen Verfahren. Begleitet wird diese Pilotphase durch die Multiprofessionelle Ringvorlesung "Safety first: Gemeinsam handeln - Gewalt bekämpfen - Betroffene stärken" als Kooperationsveranstaltung des Familiengerichts München, der Katholischen Stiftungshochschule München, der Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München und "Frauen helfen Frauen" München e.V. mit der freundlichen Unterstützung des K105 Opferschutz des Polizeipräsidiums München. Die wissenschaftlichen Implikationen von Gefährdungseinschätzung sollen in der Vorlesungsreihe themenspezifisch aufbereitet und in ihrem Praxisbezug diskutiert und reflektiert werden.

 

Die Ringvorlesung startet nach den bayerischen Osterferien am 24. April zum Thema Wissenschaftliche Grundlagen von Gefährlichkeitseinschätzung gemäß Sonderleitfaden/Münchner Modell in kindschaftsrechtlichen Verfahren. Insgesamt sind sechs Termine vorgesehen; immer freitags in der Zeit von 10.00 - 11.30 Uhr im Familiengericht München (B807).

 

  • 24.04.2020: Roland Hertel, Dipl. Sozialarbeiter (FH), BAG Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V., Interventionszentrum Süd-Pfalz: Fallkonferenzen in Hochrisikofällen – Transfer des ODARA Models auf den Bereich „Häuslicher Gewalt“ aus Sicht der Täterarbeit
  • 08.05.2020: Prof. Dr. Luise Greuel, Fachpsychologin für Rechtspsychologie an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung Bremen: Evaluation von Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalteskalation und Femiziden in und nach Paarbeziehungen
  • 15.05.2020: Prof. Dr. Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Ulm: child friendly justice und safety first bei „Häuslicher Gewalt“ - Erkenntnisse der Traumaforschung im Hinblick auf kindschaftsrechtliche Verfahren
  • 19.06.2020: Rosa Logar, Dipl. Sozialarbeiterin, Leitung Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, Mitglied des CAHVIO Komitees zur Erstellung der Istanbul Konvention 2008 - 2010, Mitglied des GREVIO Komitees 2015 - 2019: Gefährlichkeitseinschätzung, Aufbau multi-institutioneller Bündnisse, Fallkonferenzen am Beispiel MARAC-Wien
  • 26.06.2020: Dr. Susanne Heynen, Psychologin, Jugendamt Stuttgart, Amtsleitung: Auswirkungen der Istanbul Konvention auf den Auftrag des Jugendamtes im Sorge- u. Umgangsverfahren
  • 03.07.2020: Dr. Monika Schröttle, Sozialwissenschaftlerin IfeS, Institut für empirische Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg; European Observatory on Femicide (angefragt): Der Beitrag von Forschung zur Prävention von Tötungsdelikten an Frauen und Kindern und fortgesetzter „Häuslicher Gewalt“; gemeinsamer Ausblick und Auswertung der Reihe

 

Wann: ab 24.04.2020 bis zum 03.07.2020; immer freitags von 10.00 - 11.30 Uhr

Wo: Familiengericht München, Pacellistraße 5, 80315 München, Saal B 807

 

> das Programm als PDF-Datei

 

 

Bildquelle: Adobe Stock/Tunatura

 

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