Contact Close

Katholische Stiftungshochschule Münchenn

Campus München

Preysingstr. 83

81667 München

Telefon: +49 89 48092–900

Telefax: +49 89 48092–1900

info.muc@ksh-m.de

Geländeplan

Campus Benediktbeuern

Don-Bosco-Str. 1 

83671 Benediktbeuern

Telefon: +49 8857 88-500

Telefax: +49 8857 88-599

info.bb@ksh-m.de

Geländeplan

news_beruf_schoyerer_nov19.jpg

 

Prof. Dr. Gabriel Schoyerer im Expertengremium zum Monitoring des Gute-KiTa-Gesetzes

 

Prof. Dr. Gabriel Schoyerer, Professor für Pädagogik mit Schwerpunkt Kindheitspädagogik am Campus München, wurde in das Expertengremium des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zum Monitoring des Gute-KiTa-Gesetzes berufen. Im Interview spricht er über das Gesetz; darüber, wie er es als Experte einstuft, wo seine Ansatzpunkte in der Qualitätsentwicklung liegen und inwiefern er sich in das Gremium einbringen wird.



Am 1. Januar 2019 ist das Gute-KiTa-Gesetz in Kraft getreten, was steht dahinter, was ist das für ein Gesetz?

Gabriel Schoyerer: Das Gute-KiTa-Gesetz ist ein Bündel aus zehn verschiedenen Handlungsfeldern, die die Qualität in Angeboten der Kindertagesbetreuung verbessern sollen. Das sind zum Beispiel die Aufwertung der Qualifizierung der pädagogisch Tätigen, eine Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels oder die Schaffung eines bedarfsgerechten Angebots. Bestandteil des Gesetzes sind aber auch familienpolitische Leistungen wie etwa die Senkung von Elternbeiträgen. Der Bund hat nun mit jedem einzelnen Bundesland einen Vertrag ausgehandelt, der regelt, welche Schwerpunkte die Länder aus diesem Pool wählen und wofür sie das bereit gestellte Bundesgeld einsetzen.

 

Das hört sich nach einem Bundesgesetz mit viel Spielraum für die Länder an. Wie bewerten Sie das Gesetz?

Gabriel Schoyerer: Bundesministerin Giffey selbst spricht von ihrem Gesetz als einem „Instrumentenkasten“, der die unterschiedlichen Voraussetzungen und Strukturbedingungen in den Ländern berücksichtigen soll. Tatsächlich liegen etwa die Relationen beim Fachkraft-Kind-Schlüssel um den Faktor zwei auseinander: Was also bei einem einheitlichen Schlüssel für die einen eine Verbesserung darstellen würde, wäre für die anderen eine Verschlechterung. Zudem: Würde man alleine die fachlich geforderte Fachkraft-Kind-Relation von 1:3 bundesweit einheitlich umsetzen wollen, müsste man statt der für die nächsten drei Jahre zur Verfügung stehenden 5,5 Mrd. Euro ungefähr die dreifache Summe aufwenden. Dennoch halte ich das Gute-KiTa-Gesetz für einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung, zumal der Bund so viel Geld wie noch nie in den Kitaausbau investiert hat – auch, wenn sich viele Fachverbände und WissenschaftlerInnen einheitliche Standards und eine dauerhafte Finanzierung gewünscht hätten. Hier gibt es in einem föderalistischen System aber auch klare verfassungsrechtliche Grenzen.

 

Was wären denn aus Ihrer Sicht zentrale Ansatzpunkte einer Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung?

Gabriel Schoyerer: Ein ganz zentraler Ansatzpunkt ist sicherlich die Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte und damit verbunden eine deutlich stärkere Akademisierung. Wir wissen aus Untersuchungen, dass professionell ausgebildete Fachkräfte wichtige Rollenvorbilder für ihre Team-Kolleginnen und -Kollegen sind und sich darüber die Kultur einer Kindertageseinrichtung im Umgang mit Kinder und Eltern positiv beeinflussen lässt. Lediglich zu fordern, die Fachkraft-Kind-Relation zu erhöhen, wäre insofern zu kurz gesprungen, da professionelles Handeln mehr als bloße Vollzugspraxis von zuvor gelerntem Wissen ist. Vielmehr entsteht es aus dem reflexiven Nachvollzug dessen, was man getan hat und einer fachlich begründeten Einordnung. Das sind hohe, aber notwendige Anforderungen, wenn wir die kaum mehr überschaubaren Leistungserwartungen an Kindertagesbetreuung zumindest annähernd umsetzen wollen. Nicht umsonst fordert deshalb der Aktionsrat Bildung, dass jede KiTa-Leitung einen akademischen Hochschulabschluss in der Kindheitspädagogik haben soll. Bis das erreicht ist, dauert dies bei einem Wachstum wie bisher allerdings noch mindestens 15 Jahre.

 

Sie sagten, dass beim Gute-KiTa-Gesetz die Länder ihre eigenen Schwerpunkte setzen können. Wie beurteilen Sie den Bund-Land-Vertrag für Bayern?

Gabriel Schoyerer: Bayern schmückt sich ja gerne mit der Bezeichnung Familienland Nummer 1 zu sein. Beim Blick auf die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen kann ich aber kein klares Konzept einer Qualitätsentwicklung erkennen, obgleich das Land Bayern mit den 861 Millionen Euro, dass es vom Bund bis 2022 erhält, durchaus starke Signale für Qualität hätte setzen können. Stattdessen setzt der Freistaat einen Großteil der Mittel für die Ausweitung der Beitragsfreiheit für Kinder im Kindergartenalter ein. Auch, wenn es durchaus ein mittelfristiges Ziel sein kann, dass alle Bildungseinrichtungen kostenfrei werden, haben die Kinder, die heute in den Kindergärten betreut sind, nichts von solchen familienpolitischen Maßnahmen. Was ebenso verwundert, ist das Vorhaben, dass Tagespflegepersonen sozialversicherungspflichtig in Kindertageseinrichtungen angestellt werden und dort die Randzeiten sowie Personalengpässe im Gruppendienst abdecken sollen. Das interpretiere ich als eine Abwertung der Betreuungsform Kindertagespflege, die aus meiner Sicht gerade für kleine Kinder eine sehr geeignete Betreuungsform darstellen kann. Zum anderen scheint mir dies ein Versuch zu sein, den Fachkräftemangel vor allem in den ungeliebten Randzeiten lindern zu wollen, indem diese Aufgabe den Tagespflegepersonen zugeschoben wird. Aus Untersuchungen ist allerdings bekannt, dass derart unattraktive Angebote von den Tagespflegepersonen kaum angenommen werden. Positiv für Bayern ist jedoch anzumerken, dass die Leitungen in den KiTas anteilig stärker vom Gruppendienst oder Verwaltungsaufgaben freigestellt werden sollen. Mal sehen, wie das im Konkreten aussehen wird.


Sie sind nun als Mitglied in das Expertengremium gewählt worden, das den Monitoringprozess des Gute-KiTa-Gesetzes von November 2019 bis Dezember 2022 begleiten soll. Herzlichen Glückwunsch! Was wird Ihre vorrangige Aufgabe im Prozess sein, wo kommt Ihre Expertise im Schwerpunkt zum Einsatz?

Gabriel Schoyerer: Das Monitoring hat die Aufgabe die Umsetzung des Gute-KiTa-Gesetzes zu beobachten und zu begleiten. Hier ist sowohl ein bundesweites als auch landesspezifisches Monitoring geplant, deren Ergebnisse in jährlichen Berichten durch das BMFSFJ veröffentlicht werden. Aufgabe des Expertengremiums ist es, das Monitoring kritisch zu begleiten, gegebenenfalls Anpassungsbedarfe zu veranlassen sowie die Ergebnisse zu beraten. Es geht also zum einen darum, die eingesetzten Erhebungsinstrumente zu prüfen und den Anschluss der Ergebnisse an die wissenschaftliche Forschung herzustellen. Zum anderen – und das wird sicherlich eine spannende Frage werden – wird zu diskutieren sein, welche Maßnahmen denn tatsächlich zu Effekten geführt haben, die wir dann als gute Qualität bezeichnen können.

Zur Person

Prof. Dr. Gabriel Schoyerer ist seit Juni 2015 Professor für Pädagogik mit Schwerpunkt Kindheitspädagogik an der Fakultät Soziale Arbeit an der KSH München. Er studierte Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie (Dipl. Päd.) sowie Erlebnispädagogik an der Universität Augsburg, wo er 2013 promoviert wurde. Nach seinem Studium arbeitete er in der ambulanten und teilstationären Jugendhilfe sowie in der beruflichen Weiterbildung. Von 2008 bis 2017 forschte er am Deutschen Jugendinstitut in München zu den Schwerpunkten Erziehung und Bildung in Arbeitsfeldern der Kindertagesbetreuung sowie Familie und Familienpolitik. Er war Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Hochschulen (Innsbruck, Augsburg, München). Sein besonderes Interesse in Forschung und Lehre gilt der Kindheitspädagogik als Profession auf Basis eines ethnographischen Forschungszugangs, der sich für das konkrete Geschehen von Alltag und Interaktionen in Angeboten der Kindertagesbetreuung interessiert. Daneben ist er an verschiedenen Stellen eingebunden in die Beratung von Politik und Verbänden zur Weiterentwicklung des Systems der Kindertagesbetreuung.

 

 

 

Hochschule , München