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Intensivpädagogik-Professor Menno Baumann im Vortrag: Was sind eigentlich „Systemsprenger“?

KSH, Campus Benediktbeuern,

Der Film „Systemsprenger“ lief letzten Herbst im Kino und sorgte für Verstörung: Es geht um ein kleines Mädchen, das durch alle Raster fällt und deren Verhalten zu einer fast unüberwindbaren Herausforderung für ihre Betreuenden wird. Die angehenden Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Vertiefungsbereich „Erziehungshilfen“ auf dem Campus Benediktbeuern wollten vom Experten und Filmcrewmitglied Professor Menno Baumann wissen, wie realistisch der Film ist, und wie sie selbst in ihrer Arbeit mit solchen Kindern umgehen können.

 

Als der Film „Systemsprenger“ letztes Jahr im Kino lief, sorgte er für einige Überraschungen: Trotz des schwierigen Themas wurde er einer der erfolgreichsten Filme der noch jungen Regisseurin Nora Fingscheidt. Die erst neunjährige Hauptdarstellerin Helena Zengel wurde mit Preisen überhäuft. Einer, der entscheidend zum Entstehen des Films beigetragen hat, ist der Intensivpädagoge Menno Baumann, der aktuell als Professor an der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe lehrt. Er unterstützte als Experte für das Phänomen „Systemsprenger“ die Drehbuchentwicklung und begleitete das Filmteam auch während der Dreharbeiten.

 

So lag es für Ramona Friedrich und ihre KommilitonInnen vom Vertiefungsbereich Erziehungshilfen und ihre Professorin Dr. Luise Behringer nahe, Menno Baumann zu einem (virtuellen) Vortrag einzuladen. Auch, wenn die Geschehnisse im Film sicher nicht repräsentativ für die Arbeit von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sind, warf er bei den Studierenden, die ihn gesehen hatten, viele praktische Fragen auf – schließlich werden einige von ihnen in ihrer beruflichen Laufbahn mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sein.

 

Rund 60 Zuschauer hatten sich vor den Bildschirmen versammelt, um Menno Baumann zuzuhören, der anschaulich von seinen Erfahrungen und Forschungsergebnissen erzählte, davon, wie es zu dem Film gekommen war und was darin wie realistisch dargestellt wurde. Dabei ging er zunächst auf den Begriff „Systemsprenger“ ein: „Das meint auf keinen Fall eine Diagnose, sondern beschreibt den Interaktionsprozess“ stellte er klar. „Nicht das Kind ist der Systemsprenger, sondern eigentlich alle handelnden Personen“. Ihm sei wichtig, dass klar werde: „Es gibt immer Menschen, die sich am Rande bewegen, und es kommt auf die Gesellschaft an, damit umzugehen. Denn eigentlich ist es ja auch wichtig, dass Systeme ab und zu gesprengt werden, wenn sie nicht passen.“ Dabei sei die fiktive Filmfigur der neunjährigen Benni von etwa 20 - 30 realen Fällen beeinflusst, mit denen Baumann unter anderem während seiner Zeit als Bereichsleiter einer Jugendhilfeeinrichtung gearbeitet hatte. Im Film versuchen eine Handvoll Menschen mit Benni in Kontakt zu kommen – das seien allerdings meist weit mehr. Hier sei zugunsten der Dramaturgie die Vielfalt an Helfern aus verschiedenen Einrichtungen reduziert worden, mit denen ein solches Kind in der Realität konfrontiert werde. „Dennoch ist der Film so realistisch, dass Sozialarbeiter nicht den Kopf schütteln müssen,“ fasst Baumann zusammen: „Denn der Film zeigt vor allem, dass es kein ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, kein ‚gut‘ oder ‚böse‘ gibt, sondern dass es darauf ankommt, einem Kind im Ausnahmezustand zu zeigen: ‚Ich bin da, du kannst dich beruhigen.‘“

 

Wie das für die angehenden Sozialarbeiterinnen und -arbeiter möglich ist, erklärte er in der anschließenden Fragerunde. Sehr wichtig sei für ihn: „Betreuer dürfen die Eltern der Kinder nicht als ‚Schuldige‘ sehen oder gar in Konkurrenz zu ihnen treten – besser ist es, sich als Moderator zu sehen“. Wie das funktionieren kann, erzählte er eindrücklich ausgehend von seinen Praxiserfahrungen. Zum Abschluss plädierte Baumann dafür, mehr in Teams zusammen zu arbeiten, sich gegenseitig zu unterstützen und die verschiedenen Einrichtungen an einen Tisch zu bringen. Denn: „Betreute und Betreuer brauchen immer mindestens ein gemeinsames Ziel“. Das berufliche Ziel für einige der Studierenden dürfte nach diesem Vortrag klar sein: Wer sich auf diese intensive Arbeit einlassen kann und die damit verbundenen Herausforderungen aushält, wird ein absolut bereicherndes Berufsfeld finden, „das auch viel Spaß macht,“ wie Menno Baumann versicherte – und was man ihm nach dem kurzweiligen Vortrag trotz des schweren Themas sofort glaubte. Das ZDF zeigt den Film „Systemsprenger“ voraussichtlich im März 2021 – zu sehen ist er auch auf diversen Streamingdiensten.

 

Mehr zu Menno Baumann ist hier zu finden: http://www.leinerstift-akademie.de/kinder-die-systeme-sprengen/

 

> Mitteilung als PDF-Datei

 

Presse Kontakt

Dr. Alexandra Hessler

Tel.: +49 157 858329 87

E-Mail-Adresse: alexandra.hessler.ext@ksh-m.de

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