Das interdisziplinäre Kompetenzzentrum »Zukunft Alter« an der KSH München feiert sein zehnjähriges Jubiläum

„Zukunft Alter – Alter(n) in Zukunft“, so der Themenschwerpunkt des Festakts, der anlässlich des Jubiläums am 16. Oktober in der Campuskirche der KSH München stattfand. Zahlreiche Gäste aus Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Kirche folgten der Einladung und fanden sich an diesem Freitagvormittag am gleichen Ort ein, an dem das Kompetenzzentrum »Zukunft Alter« vor zehn Jahre feierlich eröffnet wurde. Entlang eines äußerst abwechslungsreichen Programms, begleitet von Musik und interaktiven Impulsen, zeigte sich deutlich auf, dass es sich bei dieser zehnjährigen Entwicklung um eine Erfolgsgeschichte handelt.

Dr. Laura Wehr, Geschäftsführende Koordinatorin des Kompetenzzentrums, führte durch das festliche Programm, das mit einer Begrüßung durch die Hochschulleitung startete. Die Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Birgit Schaufler und der Vizepräsident Forschung und Entwicklung Prof. Dr. Johannes Bremer würdigten in ihrer Ansprache die „Saat, die gesät“ und „nun bereits volle Früchte“ trägt. Die Präsidentin zeigte sich ausgesprochen dankbar für die Bereitstellung kirchlicher Mittel, die diese einzigartige interdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsarbeit mit Blick auf das Alter und das Altern möglich machen. Während staatliche Forschungsgelder derzeit häufig in den Hochtechnologiebereich fließen, setze Kirche hier einen deutlichen Akzent: „So wichtig und richtig technologische Innovationen sind, darf die Perspektive auf die Menschen und deren Lebenswirklichkeit nicht vernachlässigt werden. Wir beforschen am Kompetenzzentrum die sozialen Dimensionen, die mit dem Altern einhergehen und die hochrelevant für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer so unruhigen Zeit sind.“ Ihr Dank ging auch an die Josef und Luise Kraft-Stiftung, die sich seit vielen Jahren fachlich und finanziell in die Transfer- und Forschungsaktivitäten rund um das Thema Alter(n) einbringt. Prof. Dr. Johannes Bremer, betonte seinerseits „das unmittelbare Wirken des Kompetenzzentrums in die Gesellschaft hinein“, nicht nur durch Forschung, sondern auch durch Vernetzung und Entwicklungsprojekte mit der Praxis, zahlreiche öffentliche Bildungsveranstaltungen und die Themensetzung in der Lehre an der Hochschule.

Für Grußworte zum Festakt konnten Prof. Dr. Hermann Sollfrank, Caritasdirektor und Vorstandsvorsitzender des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising e.V., Verena Dietl, Dritte Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, und Elisabeth Robles Salgado, stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirats der Landeshauptstadt München gewonnen werden. 

Caritasdirektor Prof. Dr. Hermann Sollfrank gratulierte den Beteiligten. Als langjähriges Hochschulmitglied und ehemaliger Hochschulpräsident der KSH München hat er das bewegte Jahrzehnt des Kompetenzzentrums miterlebt und mitgestaltet: „Ich erinnere mich an den feierlichen Auftakt im Herbst 2016 – der zu ebnende Weg für dieses Kompetenzzentrum fing allerdings viel früher an. Wie kann Lebensqualität im hohen Altern gelingen? Wir sind zum damaligen Zeitpunkt sehr schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass diese Frage nur interdisziplinär – und somit weit über einzelne Fachbereiche oder Fakultäten hinweg – beantwortet werden kann." Wichtig waren dabei die Netzwerke, die nach innen und außen gespannt wurden und auch die Vermittlungsarbeit in alle denkbaren Richtungen. „Ich erinnere mich gerne daran, wie gut wir hier an einem Strang gezogen haben. Dieses Kompetenzzentrum ist keine Idee einer einzelnen Person, sondern das Resultat einer erfolgreichen Zusammenarbeit von Hochschule, Praxis und Förderern.“

Die Dritte Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München Verena Dietl wurde an diesem Vormittag digital zugeschaltet. Sie bedankte sich für die bisherige Zusammenarbeit und die praxisrelevante Forschungsarbeit: „Für uns stellen sich Zusammenhänge neu dar oder werden durch die anwendungsorientierte Forschung erst sichtbar.“ Die Transfer- und Forschungsarbeit des Kompetenzzentrums habe bereits maßgeblich dazu beigetragen, die Lebensqualität von Senioren und Senioren in der Landeshauptstadt zu verbessern. „Wir hoffen und wünschen uns, dass wir diese gewinnbringende Zusammenarbeit noch lange fortführen können.“

Elisabeth Robles Salgado ging in ihrem Grußwort auf den doch so wichtigen Perspektivwechsel ein. Noch allzu oft – und hier zeigte sich im Laufe des Festakts auch ein inhaltlicher Konsens – würden, wenn es um das Alter und das Altern geht, Klischees bedient. Noch allzu oft stünde diese Lebensphase mit Verlust und Krankheit in Verbindung. „Das Engagement älterer Menschen ist ein Angebot, auf das wir als Gesellschaft nicht verzichten sollten“, sagte sie mit Nachdruck. Das Alter sollte als eine zukunftsfähige Ressource verstanden werden und nicht als Hemmnis.

Auf die Grußworte folgte ein Rückblick durch Prof. Dr. Christoph Ellßel, der von 2016 bis 2025 die Geschäftsführende Koordination des Kompetenzzentrums innehatte und den Auf- und Ausbau mitgestaltet und geprägt hat. Der KSH-Professor fasste in Zahlen zusammen, was in zehn Jahren erreicht werden konnte: 55 Veranstaltungen, 20 digitale Lehreinheiten, über 3500 Teilnehmende an den Veranstaltungsangeboten, über 80 Impuls- und Wissenschaftsvorträge und zahlreiche Publikationen. Noch aussagekräftiger waren dann die Zahlen, die er zum Anstieg des Forschungsvolumens aufzeigen konnte: Heute zählt die KSH München zu den forschungsstärksten kirchlichen Hochschulen in der Drittmittelfinanzierung. Ein bemerkenswerter Erfolg, zu dem das Kompetenzzentrum maßgeblich beigetragen hat – und der sich mehrdimensional abbildet. „Wir haben das Alter(n) von vornherein als ein Querschnitts- und als ein Thema verstanden, das sich interdisziplinär gestaltet.“ Prof. Dr. Ellßel zeigte exemplarisch das Plakat einer der ersten Veranstaltungen des Kompetenzzentrums auf: Vom Seniorenchor zum Charity Flashmob. „Wir sind wirksam, in dem wir neue Themen antizipieren, uns ausprobieren und dabei das Thema Alter(n) auch neugestalten. Der Dank geht an alle, die das ermöglicht haben.“ Als einen wesentlichen Innovationsfaktor führte Prof. Dr. Christoph Ellßel den wissenschaftlichen Nachwuchs auf, der sich über die Jahre vervielfacht hat. „Die jungen Wissenschaftler:innen hinterfragen und bringen neue Perspektiven ein – und sind für den Forschungserfolg unverzichtbar.“ Unverzichtbar für den Erfolg des Kompetenzzentrums war auch das Engagement der ehemaligen Vizepräsidentin Prof. Dr. Martina Wolfinger, die an diesem Vormittag mehrfach gewürdigt wurde.

Den Festvortrag „Zukunft Alter – Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen“ hielt Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff, Senior-Professorin der Katholischen Hochschule Freiburg, Vorsitzende der 10. Altersberichtskommission der Bundesregierung und Alumna der KSH München. Die ausgewiesene Expertin im Bereich der Gerontologie sprach über das Alter(n) unter sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und darüber, wie wichtig es für unsere Gesellschaft ist, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Bereits im Jahr 2060, so belegten ihre beispielhaften Zahlen, nehme der Anteil der über 80jährigen sprunghaft zu. Umso wichtiger sei es, die drängenden Fragen gemeinsam zu beantworten und die Verantwortung für gelingende Versorgungsstrukturen zu teilen.

Für ein musikalisches Intermezzo sorgte der Demenzchor des kbo-Isar-Amper-Klinikums Haar unter der Leitung von Ute Rentmeister. Volkslieder und Schlager erfüllten akustisch die Campuskirche und nahmen das Publikum mit. Musikalisch umrahmt wurde das Programm zudem von der Pianisten Anna Heller, die mit ihrer Klaviermusik dazu beitrug, sich zu besinnen und über das Gehörte nachzudenken.

Der große Dank für den überaus stimmungsvollen Festakt, dessen Programm und dessen Durchführung geht an Dr. Laura Wehr und ihr Team am Kompetenzzentrum »Zukunft Alter« und an das Team der Zentralen Dienste unter der Leitung von Wolfram Stadler.