Hochschulmodul zur klimasensiblen Hebammenarbeit gewinnt den Bundespreis „Blauer Kompass 2026“

Die Katholische Stiftungshochschule München und die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Stuttgart und Heidenheim erhalten für ihr gemeinsames Projekt „Planetary Health und klimasensible Hebammenarbeit – Klimavorsorge im Gesundheitswesen“ den Bundespreis „Blauer Kompass“ in der Kategorie Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Der Preis ist die höchste staatliche Auszeichnung für Klimaanpassungsprojekte in Deutschland. Das Projekt zählt zu den sechs Gewinnern des bundesweiten Wettbewerbs, zu dem in diesem Jahr fast 500 Bewerbungen eingingen. Der Wettbewerb suchte bereits zum zehnten Mal kluge Ideen, die zu praktischen Lösungen im Umgang mit Hitze, Dürre und Starkregen werden. 

Im September überreichten die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Rita Schwarzelühr-Sutter, und der Präsident des Umweltbundesamts, Prof. Dr. Dirk Messner, den Projektverantwortlichen die Auszeichnung bei einer feierlichen Preisverleihung im Bundesumweltministerium in Berlin. Das gemeinsame Projekt „Planetary Health und klimasensible Hebammenarbeit – Klimavorsorge im Gesundheitswesen“ von KSH München und DHBW in Stuttgart und Heidenheim verbindet wissenschaftliche Grundlagen der Planetary Health mit berufsspezifischen Kompetenzen in den Bereichen Mitigation, Adaptation und klimasensibler Gesundheitsberatung. Damit werden wissenschaftliche Erkenntnisse mit den konkreten Anforderungen der Hebammenpraxis verknüpft. Prof. Dr. Karolina Luegmair, Professorin für Hebammenwissenschaft an der KSH München, Prof. Dr. Sonja Wangler, Studiengangsleiterin für angewandte Hebammenwissenschaft an der DHBW Stuttgart, und Prof. Dr. Christina Oberle, Professorin für angewandte Hebammenwissenschaft an der DHBW Heidenheim, entwickelten im Rahmen des Projekts ein Hochschulmodul und veröffentlichten das begleitende Lehr- und Praxisbuch „Klimasensible Hebammenpraxis: Beiträge aus der Planetary Health Perspektive“. In dem Handbuch beleuchten Expert:innen aus Lehre, Forschung und Praxis die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen auf die Hebammenpraxis. Das Vorwort verfasste die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer.

Das bereits implementierte Hochschulmodul bereitet Studierende der Hebammenkunde gezielt auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels vor. Die Modulteilnehmer:innen lernen dabei, eine klimasensible Beratung anzubieten – etwa zu hitzegerechter Alltagsgestaltung in der Schwangerschaft oder zu Risiken bei Extremwetterlagen für Neugeborene. Mit diesem Modul werden besonders vulnerable Personengruppen in den Fokus gerückt. Es soll mittelfristig in alle hebammenwissenschaftlichen Studiengänge in Deutschland integriert werden. „Gesundheit und Klimaanpassung gehören zusammen. Der Klimawandel verändert schon heute die Bedingungen für Schwangerschaft, Geburt und das Aufwachsen unserer Kinder“, sagt Prof. Dr. Karolina Luegmair. „Mit unserem Projekt zeigen wir, dass Klimaschutz und Klimaanpassung fester Bestandteil einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung sein müssen. Der Bundespreis ‚Blauer Kompass‘ gibt uns Rückenwind, Hebammen als wichtige Akteurinnen für Prävention, Resilienz und nachhaltiges Handeln im Gesundheitswesen weiter zu stärken – zum Schutz der Gesundheit heutiger und künftiger Generationen.“

„Die Verleihung des Bundespreises ‚Blauer Kompass 2026‘ macht die KSH München stolz. Sie ist eine große Anerkennung für das Engagement, die Innovationskraft und die hochschulübergreifende Kooperation, die das Projekt ‚Planetary Health und klimasensible Hebammenarbeit – Klimavorsorge im Gesundheitswesen‘ auszeichnen. Ich gratuliere den Gewinnerinnen dazu herzlich“, sagt KSH-Präsidentin Prof. Dr. Birgit Schaufler. „Seit Jahren wird von der Lancet-Kommission gefordert, Planetary-Health-Themen in die Curricula der medizinischen Berufe aufzunehmen. Mit dem ausgezeichneten Hochschulmodul setzt die Hebammenwissenschaft an der KSH München diese Forderung bereits erfolgreich in der Lehre um. Das ist ein wichtiger Schritt, um die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels auch in der Ausbildung von Hebammen stärker zu berücksichtigen.“ 

Zur feierlichen Preisverleihung nach Berlin reisten stellvertretend für alle Projektbeteiligten Prof. Dr. Sonja Wangler (DHBW Stuttgart) und Prof. Dr. Christina Oberle (DHBW Heidenheim). Die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter bekräftigte die Juryentscheidung für das KSH- und DHBW-Projekt und sagte: „Es ist schön, dass sich Hebammen in ihrer Aus- und Weiterbildung mit dem Klimawandel und der Klimaanpassung beschäftigen.“ Anschließend erkundigte sich die Parlamentarische Staatssekretärin danach, ob es bereits Rückmeldungen von Schwangeren und Müttern zum Projekt gebe. Die Preisträgerinnen konnten hier auf das Feedback der Studierenden sowie auf die Ergebnisse einer im Sommer durchgeführten Umfrage verweisen.

Einen Kurzfilm zu dem Projekt „Planetary Health und klimasensible Hebammenarbeit – Klimavorsorge im Gesundheitswesen“ finden Sie hier: Blauer Kompass 2026: Planetary Health und klimasensible Hebammenarbeit

Über den Wettbewerb „Blauer Kompass“: Der Bundespreis „Blauer Kompass“ wird gemeinsam vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt ausgelobt. Er zeichnet innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen für die Vorsorge und die Anpassung an Klimafolgen in Deutschland aus. Neben dem Preisgeld von jeweils 25.000 Euro erhalten die Ausgezeichneten auch Unterstützung bei der Kommunikation sowie einen professionellen Kurzfilm über ihr Projekt. Die Auswahl der Preisträger in den fünf Kategorien traf eine Jury mit acht Expert:innen, u. a. aus den Bereichen Politik, kommunale Spitzenverbände, Wirtschaft, Forschung, Kommunikation und Jugendbeteiligung. Darüber hinaus wurde ein „Community-Preis“ vergeben, für den alle Interessierten in einem Online-Voting abstimmen konnten. Die Preisverleihung im September war der Höhepunkt der bundesweiten „Woche der Klimaanpassung“, mit der das Bundesumweltministerium und das Zentrum Klimaanpassung unter dem Motto „Gemeinsam für Klimaanpassung“ mit Veranstaltungen in ganz Deutschland die Vielfalt und das große Engagement für die Klimaanpassung präsentieren.

 

Auf den folgenden Fotos sehen Sie die Preisverleihung in Berlin. Auf dem Gruppenbild sind zu sehen: Rita Schwarzelühr-Sutter, Prof. Dr. Sonja Wangler, Studiengangsleiterin für angewandte Hebammenwissenschaft an der DHBW Stuttgart, und Prof. Dr. Christina Oberle, Professorin für angewandte Hebammenwissenschaft an der DHBW Heidenheim, und Prof. Dr. Dirk Messner (von links). Bildquelle: Sarah Kienapfel